23.03.2012: Bundesarbeitsministerium will mit einer kleinen Rentenreform die Altersarmut bekämpfen.
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28.03.2012: Zuschussrente und Kombirente liegen als Gesetzentwurf vor
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Selbständige sollen zur Altersvorsorge verpflichtet werden
Auf die Frage: „Fürchten Sie, im Rentenalter oder – sofern Sie bereits Rentner sind – in den nächsten Jahren Ihren Lebensstandard nicht mehr halten zu können?“ antworteten 72 % der Befragten mit „Ja“.
Die Rente sinkt. Nach Prognosen der Rürup Kommission und der Deutschen Rentenversicherung wird sich die Eckrente in Westdeutschland wie folgt entwickeln:
2010: 1083 Euro
2020: 1069 Euro
2030: 1024 Euro
2040: 988 Euro
Im Jahr 2011, betrug die Eckrente 1236 Euro Rente. Die Zahlen für 2012 liegen noch nicht vor.
Die Eckrente ist die gesetzliche Altersrente eines Beschäftigten, der 45 Jahre lang das Durchschnittseinkommen von aktuell 30084 Euro pro Jahr in Westdeutschland verdient.
Ihnen droht dasselbe Schicksal: Geringverdienern, Langzeitarbeitslosen, Teilzeitkräften, Minijobbern, Dauerpraktikanten, Solo-Selbständigen. Sie alle werden später, wenn sie sich zur Ruhe setzten, ihren Lebensstandard erheblich reduzieren müssen. Im Klartext: sie verbringen ihr Alter in Armut! Viele Rentner werden nur noch Leistungen auf Sozialhilfeniveau bekommen.
Noch sind es wenige Senioren, die am Existenzminimum leben: 2 % der mehr als 20 Millionen Rentner sind auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Grundsicherung ist der neue Begriff für Sozialhilfe.
Die heutige (2008) Rentengeneration wird die Ausnahme bleiben: ihr geht es so gut, wie keiner Rentengeneration zuvor. Doch bald wird die Generation des Baby-Booms der Nachkriegszeit das Rentenalter erreichen: viele von ihnen haben nichts in das Rentensystem eingezahlt. Diese Lücken sind nicht durch Lebensversicherung oder Immobilien aufgefüllt worden. Wovon auch?! Wer als Durchschnittsverdiener lediglich 40 Jahre eingezahlt hat, kann lediglich mit einer Rente von höchstens 650 Euro rechnen. Im Jahr 2030 ist damit zu rechnen, dass etwa die Hälfte der Senioren eine Rente beziehen wird, die kaum höher als die Grundsicherung (Sozialhilfe) sein wird.
In Ostdeutschland gilt dieser Zeitraum bis zur knappen Rente sogar noch kürzer. Der Grund liegt in der Wirtschaftskrise der Nachwendezeit, die verbreitet ein Drittel der Erwerbsfähigen in die Arbeitslosigkeit gedrängt hat.
Es gibt 2,3 Millionen Solo-Selbständige, die von einem Projekt zum nächsten leben.
Es gibt derzeit 11,8 Millionen Teilzeitbeschäftigte in Deutschland.
Es gibt zurzeit 6,5 Millionen Geringverdiener, die lediglich 4 oder 5 Euro in der Stunde verdienen – in der Pflege, der Gebäudereinigung oder im Gastgewerbe. Nach Untersuchungen der OECD ist das Versorgungsniveau solcher Billigkräfte am unteren Ende dessen, was sonst in Industrieländern üblich ist.
Die Hartz IV Reform hat dieses Problem noch verschärft: Ein ALG II Empfänger steigert sein Ruhegeld pro Jahr um 2,19 Euro!
Es besteht folgender Zusammenhang: dort, wo sich das Normal-Arbeitsverhältnis zur Ausnahme entwickelt, wird die Altersarmut zur Regel.
Schon jetzt zeichnet sich folgendes Bild ab:
ein Drittel der zukünftigen Rentner wird über die gesetzliche Rente, eine betriebliche Altersversorgung, Sparrücklagen und Immobilien verfügen,
ein Drittel der zukünftigen Rentner wird allein die gesetzliche Rente und etwas Erspartes haben,
ein Drittel der Rentner wird in Altersarmut leben müssen.
Wie könnte dem Problem der Altersarmut durch die Politik vorgebeugt werden? Durch die Einführung einer steuerfinanzierten Grundrente, auf die keine Privatvorsorge angerechnet wird? Die Allgemeinheit wurde bei diesem Modell für die Basisversorgung aufkommen, für den darüber hinausgehenden Teil wäre jeder selbst verantwortlich.
Immer mehr Politiker fordern, das Rentensystem durch Reformen bereits jetzt armutssicher zu machen. Hintergrund ist der sich ausweitende Niedriglohnsektor. Bereits heute ist ein enormer Anstieg bei den Beziehern von Grundsicherung im Alter zu verzeichnen.
Mit der Zuschussrente soll der Altersarmut entgegengewirkt werden. Sie wird insbesondere Frauen entlasten, die jahzehntelang im Niedriglohnbereich gearbeitet haben und nur mit Minirenten rechnen können. Die Altersrente wird bis auf 850 Euro pro Monat aufgestockt, wenn man 35 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und zusätzlich eine private Altersvorsorge betrieben hat, etwa in Form einer Riesterrente. Damit kommen die betroffenen Rentner dann über das Niveau der Grundsicherung im Alter (Sozialhilfe) hinaus.
Die Kombirente ist ebenfalls ein Teil der kleinen Rentenreform 2012 der Bundesregierung. Wer schon mit 63 Jahren Rente beziehen, aber dennoch weiter arbeiten will, soll ab dem 1. Januar 2013 weit mehr hinzuverdienen können als bisher. Bis zum 31.12.2012 können nur 400 Euro im Monat zur Rente hinzu verdient werden. Ein höherer Verdienst wird rentenmindernd angerechnet. Ab 2013 ist es möglich durch Rente und Arbeitseinkommen unterm Strich so viel zu verdienen wie bis dahin mit dem Gehalt allein. Dabei soll für die Berechnung dieser Obergrenze das jahr mit dem höchsten Einkommen der letzten 15 Jahre maßgebend sein.
Die Riesterrente ist ein Weg zur Vermeidung von Altersarmut. Weiterhin ist zu überlegen, ob für Menschen, die jahrelang bei niedrigem Lohn vollbeschäftigt waren sowie für diejenigen, die während der Erziehung ihrer Kinder nur Teilzeit gearbeitet haben, eine Mindestrente eingeführt werden sollte. Diese Mindestrente muss oberhalb des Existenzminimums liegen. Würde man eine Mindestrente einführen, die CDU schlägt 795 Euro pro Monat vor, so würde der Arbeitnehmer nicht mehr Bittsteller beim Sozialamt sein.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl derer, die im Alter Grundsicherungsleistungen erhalten in NRW von 73.000 auf 110.000 Personen erhöht. Wenn die Politik nicht gegensteuert, wird es bereits in 15 Jahre zu weit größeren Problemen kommen. Im Jahr 2008 sind 967 Millionen Euro an Grundsicherungsleistungen an Ältere geflossen, die von ihrer Rente nicht leben können. Ohne zusätzliche Hilfen werden bis 2023 10 Prozent der Rentner auf Sozialhilfe angewiesen sein. Heute sind es lediglich 3 Prozent.
Altersarmut von Rentnern habe häufig unterbrochene Erwerbsverläufe, Zeiten von Arbeitslosigkeit und Bezug von Arbeitslosengeld II sowie Niedriglöhne als Hintergrund.
Immer mehr Menschen im Alter werden zukünftig ihre Rente durch Mini-Jobs aufbessern müssen. Unbegrenzt hinzu verdient werden kann, wer das gesetzliche Rentenalter erreicht hat.